Sunk Cost Fallacy im SEO

Mit diesem Artikel möchte ich eine kleine Reihe beginnen, in welcher ich einige Begriffe vorstelle und auf SEO Gegebenheiten anwende. Die Begriffe stammen dabei aus dem Buch Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die sich besser anderen überlasse (Amazon) von Rolf Dobelli. Das Buch fesselt mich aktuell wie kein anderes, vor allem wegen der kurzen Kapitel (2-4 Seiten) und der angenehmen Schreibweise. Mal schauen wieviel davon ich in SEO Artikeln unterbringen kann.

Beginnen möchte ich mit der Sunk Cost Fallacy.

Wikipedia sagt dazu:

Sunk Costs sind Kosten, die bereits entstanden sind und nicht rückgängig gemacht werden können

Und dies ist der entscheidene Punkt. Es ist ausgegebenes Geld oder aufgewendete Zeit. Nichts kann dies zurück bringen und somit sollte es auch nicht in künftigen Entscheidungen eine Rolle spielen.

Wer keine Lust zum Lesen hat, hier ein kleines Erklärungsvideo, aber leider ohne SEO Beispiele:

Vergebene Müh im Linkbuilding

sunkcostsDu investierst seit einem Jahr in Linkbuilding und willst endlich mit “Risikolebensversicherungen” auf der ersten Position ranken. Aber da ist schon Karl mit seinem Content Monster. Mit jedem neuen Link bist du dir sicher, gleich hast du ihn erreicht und vom Thron gestoßen.

Und so kaufst du einen Link nach dem anderen. Qualität ist erstmal nicht so wichtig, hauptsache es kostet nicht so viel. Schnell nochmal 100 Euro für den nächsten Link. Wenn du erstmal auf der 1 rankst hast du das in 2 Tagen wieder raus. Und so geht es Wochen und Monate. Wann ist der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen? Oder denkst du nur “ich habe schon soviel investiert, jetzt höre ich nicht mehr auf“?

Die richtige Frage du dir stellen solltest ist folgende:

Wie soll ich mein Geld ausgeben um wirklich nach vorn zu kommen?

Content Marketing soll funktionieren?

Deine Content Marketing Strategie läuft super. Jeden Tag kommt ein neuer riesenlanger Artikel auf deine Waschmaschinen Seite. Jeder noch so kleine Begriff in den Anleitungen wird erklärt, mit mindestens 1.000 Wörtern. Mit blumigen Texten und wundervollen Illustrationen zum Veranschaulichen. Die Inhalte sind fast schon eine Kunstform. Kein Wunder bei dem Preis von 500 Euro pro Stück.

sunk-costDoch nach dem 50sten Text wirfst du wieder einen Blick auf die Sichtbarkeit. Ja die steigt. Und auch der Traffic. Kein Wunder, schließlich ist deine Domain zu hunderten neuer Keywords zu finden. Doch der Umsatz stagniert vor sich hin. Scheinbar interessiert deine Kunden nicht der Unterschied zwischen “Express Wäsche” und “Super Express Wäsche”. Und auch die Anleitung zum Tunen der Schleudergeschwindigkeit im Stile von “ToolTime” Tim dem Heimwerkerkönig hat außer ein paar hundert Besuchern und etlichen Backlinks von Serienjunkie Blogs nichts gebracht.

Vielleicht hast du einfach bisher die falschen Themen gehabt. In allen Blogs steht ja immer man muss viel probieren und Zeit mitbringen. Also, stoppst du das Content Marketing oder versuchst du weiter dein Glück und erstellst Inhalte, die keinen echten Kunden interessieren?

Inhalte löschen und besser ranken

Ein positiv Beispiel wurde von Ehren Reilly auf der SMX München 2014 vorgestellt. Er hatte ein Panda Problem mit ask.com. Also hat er die Seite analysiert und ca. 12 Millionen Seiten gefunden. Es ging ans Aufräumen:

  • 3 Millionen Seiten ohne Inhalte gelöscht
  • 2 Millionen DC Seiten aggregiert
  • 5,5 Millionen Seiten mit 3 oder weniger Besuchern im Jahr(!) gelöscht

Gerade die Seiten mit Traffic (wenn auch extrem wenig) tun erstmal weh. Aber am Ende hat er nur 2% Traffic in den ersten 30 Tagen verloren. Durchgeführt wurde die Aufräumaktion Ende 2012. Das Ergebnis in der Sichtbarkeit sieht man hier:

ask-com-sichtbarkeit

Fairerweise muss man aber sagen, dass es Mitte 2014, beim nächsten Panda, dann wieder extrem nach unten ging. Link zur aktuellen Sistrix Sichtbarkeit.

Erklärung

Warum fallen wir immer wieder auf die Sunk Cost Fallacy rein? Und ist es überhaupt so schlimm?

Nein, es ist nur menschlich. Wir wollen konsistent handeln. Und jede neue Entscheidung ist eine neue Unsicherheit. Doch rein rational macht es keinen Sinn bereits aufgewendete Mittel in eine erneute Betrachtung einzubeziehen. In jedem Pokerbuch wird einem eingetrichtert den Pot in der Mitte als Gesamtbild zu betrachten und nicht seine bereits investierten Chips. “Ich zahl 100 um den Pot mit 500 zu gewinnen” und nicht “Ich zahle 100 um den Pot mit 400 und meinen vorher investierten 250 zu gewinnen”. Denn die erstinvestierten 100 sind bereits weg.

Doch wir können uns nicht damit anfreunden in der Vergangenheit eine andere Entscheidung getroffen zu haben. Denn es war scheinbar die falsche Entscheidung, denn sonst würden wir heute nicht vor dem Dilemma stehen. Dieses Eingeständnis ist schwer und in der Gruppe sogar noch schwerer (vgl. Groupthink; evtl. in einem späteren Artikel). Und die minimale Chance, doch richtig gelegen zu haben lässt uns häufig weitermachen.

Jetzt seid ihr dran

Loslassen ist schwer, aber hin und wieder auch sinnvoll. Versucht es am besten direkt heute. Ignoriert die Vergangenheit (und die Sunk Costs) und überdenkt eure Strategie beim aktuellen Projekt. Macht es wirklich Sinn? Habt ihr so wirklich Chancen auf Erfolg? Oder ist es das nächste Geldgrab?

Oder fangt mit etwas Kleinem an. Wenn euch das nächste Mal ein Film nicht gefällt, verlasst das Kino. Habt ihr 100 Seiten vom neuen Buch gelesen und es will einfach nicht spannend werden? Weg damit, neues Buch! Wird die Serie auch nach der zehnten Folge nicht besser, aber alle Kollegen empfehlen sie? Egal, lasst es gut sein, ihr könnt nächstes Jahr immer noch mal wieder rein schauen. Am Ende werdet ihr nicht nur Zeit / Geld gespart haben, ihr werdet euch auch besser fühlen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Sunk Cost Fallacy gemacht? Wann seid ihr auf den Denkfehler reingefallen und wann nicht? Wie kann man ihn umgehen?

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  1. […] neuen Reihe über Denkfehler, erklärt anhand von SEO Beispielen. Letzte Woche habe ich mit der Sunk Cost Fallacy im SEO […]

  2. […] meiner neuen Reihe über Denkfehler, erklärt anhand von SEO Beispielen. Begonnen habe ich mit der Sunk Cost Fallacy im SEO, danach kam die Survivorshop […]